Keine Bildung ohne Medien – Keine Medien ohne Bildung

Soziales Netz – Internetzugang durch Bildung?

In der Schule zieht man Inhalte aus Wikipedia in eine PowerPoint-Präsentation und bekommt dafür eine eins oder eine zwei – das ist alles.“ Mit diesen Worten beschrieb ein Schüler bei unserer Veranstaltung am 30. Januar im Landtag den realen Umgang mit Medien und dem Internet im Unterricht an seiner Schule. Die Ziele definierten die ReferentInnen Jürgen Ertelt, Medienpädagoge und Projektkoordinator „youthpart“ und Mechthild Appelhoff, Bereichsleiterin Medienkompetenz und Bürgermedien der Landesanstalt für Medien NRW zuvor jedoch grundlegend anders.

Zu der Veranstaltung hatte Matthi Bolte als netzpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion in NRW im Rahmen der Reihe „Soziales Netz“ eingeladen. Einige Interessierte waren der Einladung gefolgt und brachten ihre Sicht zur aktuellen, aber auch zu einer optimalen Nutzung und zum Zugang zum Internet in eine spannende Diskussion ein.

Jürgen Ertelt beschrieb die Bedeutung und die Entwicklung des Internets im Vergleich zur Elektrifizierung – heute ist kaum noch ein Schritt des täglichen Lebens vollkommen unabhängig vom Internet möglich. Dies eröffnet auch gesellschaftliche Aufgaben. Besonders im Bildungsbereich, in der Schule, in der Ausbildung und in der Jugendarbeit muss dem Internet eine entsprechend große Rolle zugemessen werden.  Dabei kann die Fragestellung der Veranstaltung durchaus umgedreht betrachtet werden: Wie schaffen wir durch das Internet mehr Bildung? Ein Aspekt ist hierbei der Medienwandel – zum Beispiel vom Schulbuch zum Tablet. Dies schafft neue Möglichkeiten, den Klassenraum als Lernort zu verlassen. Doch wenn nur einzelne große Unternehmen wie Apple in den digitalen Schulbuchmarkt einsteigen ist ebenfalls darauf zu achten, dass die Internetfreiheit gewährt bleiben muss. Ertelt betont, dass mit der Entwicklung neuer Technik und Medien auch ein Paradigmenwechsel einhergehen muss:  Schulunterricht muss sich verändern und dem Motto „Keine Bildung ohne Medien“ gerecht werden. Dafür muss auch ein Umbruch in der PädagogInnenausbildung erfolgen.

Mechthild Appelhoff stellte daraufhin Projekte und Möglichkeiten vor, die die Landesanstalt für Medien aufgrund ihres Auftrages, Medienkompetenz zu fördern, bereits hat und nutzt. Hierzu gehören die Medienkompetenzförderung im Ganztagshauptschulbereich und auch die „Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche in benachteiligten Lebenslagen“. Doch Frau Appelhoff betonte auch, dass die These, der Zugang zum Internet sei für Jugendliche heute kein Problem mehr, schlicht falsch ist. Nur 46% der SchülerInnen an Hauptschulen und 52% der SchülerInnen an Gymnasien besitzen einen eigenen PC mit Internetzugang. Diese Zahlen weisen auch auf einen weiteren Aspekt hin: Durch das Internet und die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten des Zugangs zu Bildung und Informationen vergrößert sich die bestehende soziale Kluft. Hintergrund ist hier auch, dass der formal höchste Bildungsabschluss eines Menschen mit der Art der Nutzung des Internets korreliert ist: Höher gebildete Menschen nutzen das Internet eher zu Recherche- und Informationszwecken, weniger gebildete Menschen hingegen eher zu Spaß- und Kommunikationszwecken.

Auch in der anschließenden Diskussion, moderiert durch Matthi Bolte, spielte dieses Thema eine Rolle. Frau Appelhoff erklärte, dass der Effekt „Second Level Digital Divide“ genannt wird. Sie betonte, dass hier gezielt Eltern von jüngeren Kindern angesprochen und informiert werden können. Die Eltern müssen wissen, dass es nicht reicht, einen PC ins Kinderzimmer zu stellen. Jürgen Ertelt antwortet auf die oben geschilderte Situation der Wikipedia kopierenden PowerPoint-PräsentaionserstellerInnen in Schulen: Hier sei ein Umdenken klar notwendig. Internetzugang müsse in einem weiterführenden Gedanken auch als Grundrecht betrachtet werden – jedeR sollte überall einen Zugang haben können. Dass dies heute noch nicht der Fall ist, liegt nicht an den technischen Voraussetzungen, sondern am Willen derer, die die Umsetzung forcieren müssten. Hier bleiben offene Aufgaben und Fragen auch an die Politik, zum Beispiel im Bereich der LehrerInnen-Ausbildung.

Am 09.03. geht die Veranstaltungsreihe „Soziales Netz“ weiter mit dem Thema „Golden Age für Silver Surfer?“.

Die editierbare Wikimap von Jürgen Ertelt findet sich hier.

Artikelbild: Dieter Schütz/pixelio.de

 

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