#wirsindmehr

Rede bei der #wirsindmehr Kundgebung am 29.10.2018 in Bielefeld

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

zunächst herzlichen Dank, dass ich heute hier sprechen darf. Und es ist mir eine ganz besondere Ehre, dass ich nach zwei so mutigen jungen Frauen sprechen darf. Ich habe riesigen Respekt vor Euch, Linda und Karolina. Für Euren Mut, einzugreifen, als es nötig war. Aber ebenso großen Respekt dafür, dass Ihr Euer Handeln nicht instrumentalisieren lasst. Da fällt mir echt nur „Wow!“ ein!

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

wir erleben gerade die Rückkehr der Politik in der Demokratie. #wirsindmehr steht in einer Reihe mit den Seebrücken-Demos, #unteilbar, auch mit den Kohleprotesten. Hunderttausende gehen in ganz Deutschland gegen den Rechtsruck und Rassismus, für eine offene Gesellschaft auf die Straße und zeigen: #wirsindmehr. Bei alldem viele junge Menschen dabei und das zeigt, dass diese nicht, wie oft beschrien, unpolitisch sind, sondern macht Mut für die Zukunft.

Es ist ein starkes Zeichen, dass wöchentlich hunderte Menschen in Bielefeld demonstrieren. Wichtig ist aber auch darüber hinausgehendes Engagement: in Gesprächen mit Freunden und Familien bei diskriminierenden Aussagen dagegenhalten, Mitarbeit in der Geflüchtetenhilfe und anderen Initiativen. Machen wir weiter so, zeigen wir: #wirsindmehr!

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

Ich möchte heute die Gelegenheit nutzen, um drei Gedanken mit Ihnen zu teilen.

Erstens: Wir sind mehr. Das heißt, dass wir in alle gesellschaftlichen Bereiche hereinwirken müssen. Joe Kaeser von Siemens hat sich vor einigen Monaten per Twitter mit Alice Weidel angelegt. Er wollte danach so etwas wie eine Initiative – in meinen Worten – „CEOs gegen Rechts“ starten, weil er weiß, dass die Wirtschaft nur in einem weltoffenen Deutschland eine Zukunft hat. Gerade in einem globalen und hoch innovativen Feld wie den Technologieunternehmen. Kaeser hat praktisch keine Unterstützung aus der Wirtschaft bekommen. Ich wünsche mir, dass das nicht so bleibt, weil auch Konzernlenkerinnen und Konzernlenker in gesellschaftlicher Verantwortung stehen. Das ist aber auch ein Vorgang, den ich dazu nutzen würde zu fragen: Warum ist es in der Wirtschaft auf der Top-Level-Ebene noch nicht selbstverständlich, sich für Vielfalt und Offenheit zu bekennen? Gerade hier bei uns in Bielefeld haben viele Unternehmen in den letzten Jahren Verantwortung übernommen und z.B. Geflüchteten Arbeit und Ausbildungsplätze gegeben. Ich wünsche mir, dass wir da noch stärker werden, auch jenseits solcher Demos wie heute Druck zu machen, damit alle Menschen in verantwortlichen Positionen zeigen: #wirsindmehr.

Zweitens: Heute am 29. Oktober ist der Welt-Internet-Tag. Ich glaube daran, dass das Internet das große Demokratieversprechen noch immer einlösen kann, dass sich Menschen im besten Sinne vernetzen, Wissen teilen und ihre Meinung sagen können. Das ist ein immenser Akt gesellschaftlicher Emanzipation, und das ist gut so! Diese Emanzipation dürfen wir uns nicht kaputtmachen lassen von dem Hass, der sich in mancher Echokammer des Internets gerade Bahn bricht. Hass lässt sich nicht wegfiltern. Lasst uns nicht nur dagegenhalten bei den Hatern, sondern lasst uns das Demokratieversprechen mit neuem Leben füllen. Lasst uns zeigen, dass wir die Kraft sind für Vielfalt, Freiheit und Gerechtigkeit!

Drittens: Auch wir als Politikerinnen und Politiker müssen uns ändern, auch die Politik muss sich ändern. Gerade wird oft gesagt, wir müssten uns weniger streiten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Demokratie lebt von der Kontroverse. Demokratie lebt von unterschiedlichen Positionen und sie lebt vom Wettbewerb um die besten Ideen. Und diesen Streit können und wollen wir aushalten. Aber lasst uns dafür kämpfen, dass es ein Streit in der Sache ist und nicht allein ein Streit um Symbole. Ich wünsche mir, dass mit der gleichen Leidenschaft gestritten wird über Integrationskonzepte, über Sprachkurse, über Hilfen für Kommunen wie über eine sogenannte „Obergrenze“ gestritten wird, von der jeder weiß, dass es sie niemals geben kann, nie geben wird und nie geben darf!

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

Demokratie lebt aber nicht nur vom Streit gewählter Politiker*innen. Sie lebt davon, dass wir uns alle einbringen. Deshalb lade ich Euch ein, am 10.11. in Bielefeld auf die Straße gehen. Bielefeld bleibt bunt und weltoffen!

 

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