Presse- Echo: Diskussion über Frauen in der Politik

Am 3. Mai diskutierte ich auf Einladung des Frauenprojektbereiches MIA der Uni Paderborn mit Vertretern und Vertreterinnen aus Politik und Wissenschaft über die Rolle von Frauen in der Politik.

Presseartikel von Andreas Götte:

Paderborn. Egal ob bei den Paderborner Ratsfraktionen oder im Studierendenparlament und dem Senat der Universität – Frauen sind in Sachen Politik noch immer unterrepräsentiert. Auf Einladung des Frauenprojektbereichs MIA der Universität diskutierten Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitikerinnen und ein Studenten-Vertreter die Situation von Frauen in der Politik. Dass sich Frauen in der Gesellschaft auch heute noch durchbeißen müssen, hat die bündnis-grüne Landtagsabgeordnete Wibke Brems selbst erfahren. Während ihres Elektrotechnikstudiums habe sie auf dem Präsentierteller gesessen und schnell gemerkt, dass es deutliche Unterschiede gab, schildert sie. „Bei meinen politischen Themen treffe ich im Jahr auf drei bis vier Frauen. Männer sind forscher“, hat sie festgestellt. Auf gut qualifizierte Frauen könne jedoch in den nächsten Jahrzehnten nicht verzichtet werden.

Zur Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Universität Paderborn hat es Prof. Dr. Dorothee Meister gebracht. „Frauen bringen sich sehr wohl ein. Aber das ist häufig nicht so öffentlichkeitswirksam“, sagt sie. Davor schreckten Frauen wohl immer noch ein bisschen zurück. Sie selbst hatte als Klassensprecherin angefangen, sich zu engagieren.

Das politische Engagement von Ilse Erhardt, Mitglied der demokratischen Initiative Paderborn (DIP), begann im Alter von 23 Jahren mit Hochschulpolitik. Bei den Frauenanteilen in der Politik und auch bei der Lebenswirklichkeit von Frauen habe sich nicht viel getan, bemängelt sie. „Klüngelei, Seilschaften und Selbstdarstellung ziehen eher Männer in die Politik“, ist Erhardt überzeugt.

Für die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Heinemann müssen sich auch die Rahmenbedingungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Für sie ist eine Quote in der Politik ein Muss. „Nur wenn Frauen bereit sind, mehr zu arbeiten als Männer, haben sie bisher die Chance, etwas zu erreichen“, betont Heinemann.

Eher skeptisch sieht das Dorothee Meister und plädiert für Anreizsysteme. „Über eine Quote kommt keine Anerkennung zustande“, meint sie. Ähnlich argumentiert auch Florian Rittmeier vom Studierenparlament. Für ihn geht es mehr um die Qualifikation von Parlamentariern als um eine Quote.

Die wird bei den Bündnis-Grünen seit Jahren erfolgreich praktiziert. Landtagsabgeordneter Matthias Bolte vermisst, dass Frauen auch mal selbstbewusst ihren Machtanspruch formulieren. Er fordert auch auf der männlichen Seite Vorbilder. Auch Männer müssten in Elternzeit gehen dürfen, ohne dass es gleich einen Karriereknick bedeute.

Ob Frauen die bessere Politik machen, bleibt auch nach der Podiumsdiskussion dahingestellt. „Wir Frauen würden jedoch eine andere Politik machen, wenn man uns ließe“, ist Ilse Erhardt überzeugt, „weil wir andere Schwerpunkte setzen.“

© 2011 Neue Westfälische
14 – Paderborn (Kreis), Freitag 06. Mai 2011

Zum weiterlesen: Das Grüne Männer-Manifest.

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